Was ist Low-Code vs. No-Code? Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Entscheidungshilfen

Michelle Gardner, Senior Content Strategist
April 26, 2021

Die Nachfrage nach neuer Software ist sprunghaft angestiegen. Laut IDC werden bis zum Jahr 2023 über 500 Millionen digitale Anwendungen und Dienste entwickelt und bereitgestellt – das ist die gleiche Anzahl von Anwendungen, die in den letzten 40 Jahren entwickelt wurden.

Leider ist die Zahl der neuen Entwickler, die an der Entwicklung dieser Anwendungen mitwirken können, nicht ebenso sprunghaft angestiegen. Allein in den USA rechnet das U.S. Bureau of Labor Statistics damit, dass im Jahr 2020 1,4 Millionen Arbeitsplätze im Bereich Informatik entstehen werden – aber nur 400.000 Informatik-Absolventen zur Besetzung dieser Stellen bereitstehen.

Unternehmen können dieses Problem nicht durch das Einstellen von Mitarbeitern lösen, daher brauchen IT-Teams eine effizientere Methode, um schnell leistungsstarke Anwendungen zu entwickeln. Hier kommen Low-Code- und No-Code-Entwicklungsplattformen ins Spiel. Mithilfe von Low-Code- und No-Code-Funktionen können Entwicklungsteams mit visuellen Design-Tools und einer Drag-and-Drop-Oberfläche schnell Anwendungen entwickeln.

Mit diesen Funktionen müssen Sie bei der Entwicklung von Unternehmensanwendungen nicht mehr zeilenweise Code schreiben, sondern können Software durch Zeichnen eines Flussdiagramms erstellen. Die Plattform übersetzt das Flussdiagramm für Sie in Code. Da die Programmierung einer Anwendung dadurch reduziert oder sogar eliminiert wird, macht Low-Code es Entwicklern aller Kompetenzstufen leicht, Unternehmensanwendungen zu entwickeln und bereitzustellen. Mit der richtigen Plattform können Entwickler mit zwei Jahren Erfahrung so arbeiten, als hätten sie Jahrzehnte in diesem Bereich gearbeitet. Unternehmen können Software 10-mal schneller bereitstellen als mit einem herkömmlichen Entwicklungsansatz.

Viele Anbieter haben begonnen, ihre Plattformen als „Low-Code“ oder „No-Code“ zu bezeichnen. Die Begriffe werden von den Marktteilnehmern oft im Wettstreit gegeneinander verwendet. Aber was bedeuten Low-Code und No-Code wirklich? Und worin besteht der Unterschied zwischen den beiden?

 

Gartner: Low-Code oder No-Code

Low-Code vs. No-Code

„No-Code ist ein Marketingbegriff, der impliziert, dass das Tool für nicht-professionelle Entwickler gedacht ist“, beschreibt Gartner im jüngsten Forschungsbericht Quick Answer: What Is the Difference Between No-Code and Low-Code Development Tools?Im Grunde gibt es so etwas wie No-Code nicht. Es gibt immer irgendwo Code und Software, aber sie sind versteckt.“

Was ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code? Beide bieten Verbesserungen gegenüber der herkömmlichen Programmierung von Hand. Gartner zufolge liegen die größten Unterschiede in den anvisierten Benutzergruppen.

 

Was ist No-Code Development?

„No-Code ist ein Marketingbegriff, der impliziert, dass das Tool für nicht-professionelle Entwickler gedacht ist“, so Gartner.

„No-Code bedeutet nicht unbedingt, dass keine technischen Kenntnisse erforderlich sind“, erklärt Gartner. „No-Code bedeutet, dass keine Programmiersprache verwendet wird, aber selbst einige visuelle Modellierungstools erfordern technisches Know-how oder das Verständnis von Programmiermetaphern.“

No-Code-Tools werden in der Regel an Citizen Developer oder Nicht-Entwickler vermarktet, nicht an IT-Fachleute oder erfahrene Entwickler. Durch das Modewort „No-Code“ erscheinen diese Tools auch für Nicht-Entwickler interessant. Da bei diesen Tools vermieden werden soll, dass die Benutzer programmieren müssen, sind die Anpassungsmöglichkeiten begrenzt. Aber No-Code bedeutet nicht immer wirklich No-Code. Vor allem, wenn Sie Ihre Anwendung anpassen möchten, werden Sie wahrscheinlich irgendwo Code hinzufügen müssen.

 

Was ist Low-Code Development?

„Low-Code Development ist die schnelle Anwendungsentwicklung oder hochproduktive Entwicklung mit der Option, Code oder Skripte zu verwenden“, so Gartner. „Diese Tools können eine Vielzahl von Ansätzen verwenden, die die Aktivitäten der Anwendungsentwicklung sowohl automatisieren als auch abstrahieren, wie etwa Drag-and-Drop-Editoren, Generierung von Code, Zusammensetzung von Komponenten sowie modell- und metadatengestützte Entwicklung.“

Low-Code-Plattformen werden in der Regel an professionelle Entwickler vermarktet, erfordern aber keine Programmierkenntnisse, um sie zu nutzen. Ein Junior-Developer oder ein technischer Geschäftsanwender kann mit einer Low-Code-Development-Plattform durchaus produktiv sein.

Bei Low-Code besteht nicht immer ein Programmierbedarf. Mit vielen Low-Code-Plattformen ist es möglich, eine Anwendung zu erstellen oder einen Geschäftsprozess zu automatisieren und Daten zu integrieren – ganz ohne Programmieren.

 

Einige Tools behaupten, sowohl Low-Code als auch No-Code zu sein

„Tools, die sowohl als Low-Code als auch als No-Code bezeichnet werden (‚low-code/no-code‘ oder ‚LCNC‘), sind vom Ansatz her nur Low-Code“, so Gartner. „Der No-Code-Aspekt bedeutet, dass mit dem Tool für bestimmte Anwendungsfälle keine Programmierarbeit erforderlich ist. Dies gilt jedoch in der Regel auch für die meisten Tools, die als Low-Code vermarktet werden.“

Es ist zudem zu beachten, dass die Begriffe Low-Code und No-Code nicht nur für Entwicklungsplattformen verwendet werden. Andere Technologielösungen beginnen, sich selbst als Low-Code und/oder No-Code zu bezeichnen. „Eine Assetmanagement-Anwendung kann zum Beispiel No-Code oder Low-Code sein, wenn sie eine gewisse Erweiterbarkeit über den standardmäßigen Funktionsumfang hinaus ermöglicht“, merkt Gartner an. „Dies ist ein großer Unterschied gegenüber der Anschaffung eines universellen Low-Code- oder No-Code-Development-Tools, mit dem viele verschiedene Arten von Anwendungen oder Lösungen erstellt werden können.“

 

Low-Code vs. No-Code: So wählen Sie die richtige Lösung für Ihr Unternehmen

Angesichts der großen Verwirrung um die Begriffe „Low-Code“ und „No-Code“ stellt sich die Frage, welche Anforderungen Sie an eine Plattform zur schnellen Anwendungsentwicklung stellen sollten.

„Ignorieren Sie den Hype um bestimmte Anbieter und deren Versprechungen und konzentrieren Sie sich stattdessen auf die zugrundeliegende Plattformarchitektur und die technologischen Ansätze der Tools, um die optimalen Lösungen zu finden – unabhängig davon, ob sie als Low-Code, No-Code oder beides bezeichnet werden“, empfiehlt Gartner.

Unternehmen sollten nach einer Plattform suchen, die ihre wichtigsten Geschäftsprobleme löst, sich mit externen Anbietern und Datenquellen integrieren lässt und skalierbar ist, um neue Herausforderungen in der Zukunft zu meistern. Dabei sollten Sie berücksichtigen, wie Sie die Plattform nutzen werden und wer die Hauptbenutzer sind.

„Bei der Bewertung von No-Code- und Low-Code-Development-Tools sollte man über die Marketingbotschaften des Anbieters hinausgehen und den zugrundeliegenden Ansatz der Entwicklungstools oder -plattformen bewerten“, so Gartner. „Wenn ein Anbieter mit ‚Low-Code‘ wirbt, heißt das nicht unbedingt, dass er sich an professionelle Entwickler richtet, und wenn ein anderer mit ‚No-Code‘ wirbt, heißt das nicht immer, dass er sich an Citizen Developer wendet.“

Erfahren Sie mehr im Gartner-Bericht Quick Answer: What Is the Difference Between No-Code and Low-Code Development Tools?

1 Frank Gens et al., „IDC FutureScape: Worldwide IT Industry 2020 Predictions“, IDC, DOC #US4559921, 28. Oktober 2019.

2 Gartner, Quick Answer: What Is the Difference Between No-Code and Low-Code Development Tools?, Paul Vincent, Jason Wong, Akash Jain, 9. März 2021