Low-Code vs. No-Code: Was das für Versicherungen bedeutet

Gijsbert Cox, EMEA Insurance Industry Leader
November 9, 2021

Während Insurtechs und Technologiekonzerne für einen sich ständig verändernden Markt sorgen, stehen traditionelle Versicherer unter zunehmendem Druck, sich zu modernisieren und mit den digitalen Erwartungen der Kunden Schritt zu halten. Dieser Trend zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Laut einem Bericht von Willis Towers Watson hat die weltweite Finanzierung von Insurtechs in der ersten Hälfte des Jahres 2021 ein Rekordhoch von 7,​4 Milliarden Dollar erreicht und damit die Finanzierungen des gesamten Jahres 2020 übertroffen.

Es scheint, als gäbe es überall neue Technologien, die versprechen, geschäftliche Herausforderungen oder Ineffizienzen zu lösen. Aber wie können traditionelle Versicherer ihre Prozesse optimieren und gleichzeitig kostspielige, groß angelegte Initiativen vermeiden und die technischen Schulden minimieren?

Low-Code- und No-Code-Lösungen sind in der Lage, diese Probleme zu lösen, aber die Unterschiede zwischen diesen Technologien sind nicht immer klar. Wie kann ein Versicherer die richtige Technologie auswählen? In diesem Blogbeitrag untersuchen wir die Unterschiede zwischen Low-Code und No-Code, ihre Gemeinsamkeiten und wie Versicherer die richtige Technologie für ihr Unternehmen auswählen können.

Technische Schulden sind die Zeit und die Kosten, die IT-Unternehmen aufwenden müssen, um bestehende Systeme zu warten und den normalen Geschäftsalltag aufrechtzuerhalten. IDG schätzt, dass IT-Teams fast 40 % ihrer Zeit für die Behebung und Verwaltung technischer Schulden aufwenden.

Warum ist No-Code/Low-Code erforderlich?

Weltweit herrscht nach wie vor ein Arbeitskräftemangel, insbesondere im Hinblick auf neue Entwickler. Allein in den Vereinigten Staaten gab es Ende 2020 1,4 Millionen Arbeitsplätze im Bereich der Informatik, aber nur 400.000 Absolventen, um diese Stellen zu besetzen.

Die Versicherer können dieses Problem nicht durch das Einstellen von Mitarbeitern lösen, also müssen Führungskräfte aus Fach- und IT-Abteilungen herausfinden, wie sie erfolgskritische Versicherungsanwendungen effizienter und mit weniger Ressourcen erstellen können. An dieser Stelle kommen Low-Code- und No-Code-Plattformen ins Spiel. Mit einer Plattform, die in der Lage ist, komplexe Geschäftsprobleme zu bewältigen, können Entwicklungsteams schnell Anwendungen entwickeln – sei es für Schadensfälle, Underwriting, Compliance usw. – und dabei visuelle Design-Tools und eine Drag-and-Drop-Oberfläche verwenden.

Mit der richtigen Plattform können Entwickler mit nur zwei Jahren Erfahrung so arbeiten, als hätten sie bereits Jahrzehnte in diesem Bereich verbracht. Und das Beste daran ist, dass Versicherer Anwendungen zehnmal schneller entwickeln können als mit einem herkömmlichen Entwicklungsansatz.

Während es in der Vergangenheit mehr als 12 Monate gedauert hat, eine Anwendung zur Automatisierung der Datenerfassung bei der Schadenserstmeldung zu entwickeln, kann dieselbe (oder eine bessere) Anwendung jetzt in nur wenigen Wochen entwickelt werden. Dieses Maß an Geschwindigkeit und Agilität ist ein Wendepunkt für Versicherer, die bislang in Zyklen mehrjähriger, millionenschwerer digitaler Transformationsinitiativen feststeckten, die nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt und gleichzeitig erhebliche IT-Ressourcen verbraucht haben.

Neben der beispiellosen Agilität ermöglichen die richtigen Plattformen den Versicherern, ihre bestehenden Legacy- und Kernsysteme zu erweitern und zu vereinheitlichen, ohne massive Modernisierungen der Kernprozesse oder groß angelegte Initiativen durchführen zu müssen. Außerdem können sie sich über offene APIs und Integrationen problemlos mit den neuesten fortschrittlichen Datenquellen (z. B. IoT, Telematik, Insurtechs usw.) verbinden.

Aber was ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code? Welcher Ansatz ist der richtige für Ihr Unternehmen?


Low-Code vs. No-Code. 

Im Grunde gibt es so etwas wie No-Code nicht. In einem aktuellen Forschungsbericht beschreibt Gartner: „No-Code ein Marketingbegriff, der impliziert, dass das Tool für nicht professionelle Entwickler gedacht ist. Es gibt immer irgendwo Code und Software, aber sie sind versteckt.“

Während also beide Methoden Verbesserungen gegenüber der herkömmlichen Hartcodierung bieten, liegen laut Gartner die größten Unterschiede in den anvisierten Benutzergruppen.

Was ist der Unterschied zwischen No-Code und Low-Code Zitat von Gartner

No-Code-Tools werden in der Regel an Citizen Developer oder Nicht-Entwickler vermarktet, nicht an IT-Fachleute oder erfahrene Entwickler. Durch das Modewort „No-Code“ erscheinen diese Tools auch für Nicht-Entwickler interessant. Da bei diesen Tools vermieden werden soll, dass die Benutzer programmieren müssen, sind die Anpassungsmöglichkeiten begrenzt. Aber No-Code bedeutet nicht immer wirklich No-Code. Wenn Sie Ihre Anwendung anpassen möchten oder mit komplexen Workflows und Prozessen zu tun haben (und das ist in der Regel bei Versicherungen der Fall), müssen Sie wahrscheinlich irgendwo Code hinzufügen, was IT-Ressourcen erfordert.

Low-Code hingegen wird in der Regel an professionelle Entwickler vermarktet, erfordert aber ebenso keine Programmierkenntnisse. Ein Junior-Developer kann mit einer Low-Code-Development-Plattform sehr produktiv sein. Außerdem besteht mit Low-Code nicht immer ein Programmierbedarf. Mit vielen Low-Code-Plattformen ist es möglich, eine Anwendung zu erstellen oder Geschäftsprozesse zu automatisieren und Daten zu integrieren – ganz ohne Programmieren.


So wählen Sie die richtige Technologie für Ihr Unternehmen.

Im Hinblick auf Low-Code- und No-Code-Lösungen bietet Gartner einen klugen Ratschlag: „Ignorieren Sie den Hype um bestimmte Anbieter und deren Versprechungen und konzentrieren Sie sich stattdessen auf die zugrundeliegende Plattformarchitektur und die technologischen Ansätze der Tools, um die optimalen Lösungen zu finden – unabhängig davon, ob sie als Low-Code, No-Code oder beides bezeichnet werden.“

Versicherungsunternehmen sollten nach einer Plattform suchen, die ihre komplexen Arbeitsabläufe automatisiert und sich mit bestehenden Legacy-Systemen und fortschrittlichen Datenquellen von Drittanbietern (z. B. IoT/Wearables, Telematik, Insurtechs usw.) integrieren lässt. Eine hervorragende Plattform ist in der Lage, die Orchestrierung und Skalierung unternehmensweit zu unterstützen, um zukünftige Herausforderungen schnell zu bewältigen, damit sich Versicherer jetzt und in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil sichern können.

Weitere Einblicke in die Unterschiede zwischen Low-Code und No-Code finden Sie im Gartner-Bericht Quick Answer: What Is the Difference Between No-Code and Low-Code Development Tools?